«Hurra, der Baum ist noch da!»
- Details
- Kategorie: Allgäuer Zeitung
- Zuletzt aktualisiert am Freitag, 20. April 2012 15:06
- Veröffentlicht am Donnerstag, 28. April 2011 00:00
In Weißensee passt eine Wache auf, dass ihr Prachtstück nicht wie in Lechbruck geklaut wird - Vorbereitungen für Festtag laufen
Geschäftig geht es seit Tagen in Weißensee zu: Der 1. Mai steht vor der Tür und traditionell wird seit 1987 im Fünf-Jahres-Rhythmus ein neuer Maibaum aufgestellt. Federführend sind dabei der Musik-, der Schützen- und der Trachtenverein. Und die wollen vor allem eines nicht: dass ihr Baum wie jüngst in Lechbruck geklaut wird.

Der knapp 31 Meter lange Baum stammt aus dem Stadtwald von Füssen - «aus einem Wald, wo Maibäume wachsen», wie einer der Handwerker, die an diesem Abend «im Dienst sind, schmunzelnd bemerkt. Unter der Aufsicht von Willi Strodl wird gemessen, gehämmert, geschraubt und geschliffen. Die Ausleger, auf denen später die Firmen und Vereinsschilder das Dorfleben wiedergeben, werden mit der Wasserwaage ausgerichtet und man merkt sogleich, «da sind Männer am Werk, die ihr Handwerk verstehen».
Natürlich ist an diesem Abend der Diebstahl des Lechbrucker Maibaums das Thema Nummer eins und das einhellige Urteil der Versammelten: «Dös ko bei eis id passiere.» Das Wachlokal ist über Nacht beheizt und in die Wache sind alle 14 örtlichen Vereine und alle Generationen eingebunden. Rund um die Uhr wird das gute Stück bewacht und in einem «Maibaumbuch» werden alle Vorkommnisse akribisch festgehalten.
«Geheime Späher werden ausgemacht und verfolgt, aber sie verschwinden im Dunkel der Nacht», heißt es da. Eine Wachmannschaft schreibt am Ende des Protokolls: «Hurra - der Baum ist noch da!» Sogar Dekan Frank Deuring besucht die Maibaumbauer, bringt eine Flasche Antonius-Likör mit und wird «in die Gesetze rund um den Maibaum eingeweiht». Nach dem alten Sprichwort «ohne Mampf kein Kampf» ist auch für das leibliche Wohl ausreichend gesorgt - der Pizzaexpress funktioniert und Getränke stehen ausreichend bereit.